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Enduro
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Sardinien 2006
– Biker’s und Rider’s Paradise
10 Tage im September
Arnd Motzkus - Deutschland |
Alghero - Tempio - Porto Rotondo - Arbatax/Tortoli
- Muravera -Villasimius - Orroli - Santa-Lussurgiu - Bosa -
Alghero
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Wer in diesem Reisebericht nach touristischen Tipps sucht, wird
nicht fündig werden, es ist ein Erfahrungs- und Erlebnisbericht
über meine eine erste große Rundreise mit dem Bike,
2000 km in 10 Tagen. Ich habe Sardinien mit dem Motorrad alleine
bereist, um sich unabhängig und frei der vollkommenen Schönheit
dieser Insel zu öffnen, ich konnte vor allem von den einsamen
Küsten- und Bergstraßen in einer perfekt inszenierten
Topographie nicht genug bekommen, aber letztlich machen die
Gegensätze zwischen den touristischen Küstenorten
der Costa Smeralda und den einsamen Bergdörfern des Monti
del Gennargentu den eigentlichen Reiz Sardiniens aus....
Warum eigentlich Sardinien? Wie oft habe ich letztes Jahr das
Kartenmaterial studiert, verschiedene Touren ausgearbeitet,
Fahrpläne der Autozüge und Fähren besorgt und
zahlreiche Vermieter kontaktiert. Dolomiten, Tessin, die Kanaren,
Korsika, Toskana, viele Ziele standen auf meiner Wunschliste,
doch die Entscheidung fiel auf die große Insel im Mittelmeer.
Es war die richtige Entscheidung, ein Kurvenparadies für
den motorisierten Rider. Doch beginnen wir von vorne. |
Gallura |
Doch beginnen wir von vorne. Ich hatte 10 Tage
für meine Rundtour Ende September, zu wenig um mit meiner
Harley Davidson 1200er Sportster den langen und kalten Weg von
Köln über die Alpen nach Genua oder Livorno anzutreten,
auch die Autozüge der DB AG kamen nicht in Frage, da die
Reisezeiten der Bahn und die Fährzeiten nicht aufeinander
abgestimmt sind. 4 Tage bzw. Nächte für Hin- und Rückreise
wollte ich zu Lasten der Inseltour nicht opfern. Eine Stunde
„googeln“ und schon spuckte mir das Internet zahlreiche
Vermieter aus. Ich entschied mich für eine deutsche Enduro-Vermietung
in Alghero, da der Flug mit Ryanair von Frankfurt/Hahn nach
Alghero die billigste Option war. |
| Nach entspanntem Flug nahm ich die
Honda Transalp in Empfang. Der erste Tag ging von Alghero über
Porto Torres, Castelsardo, Isola Rossa nach Tempio Pausania.
150 km feinster Küstenstraßen, um mich mit dem Motorrad
anzufreunden. |
„Die Nacht der langen Messer und der Tag der scharfen
Kurven“ |
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Der zweite Tag führte 200km durch die Gallura
nach Porto Rotondo (Tempio-Oschiri, Tula, Erula, Perfugas, Tempio,
Calangianus, Olbia, Porto Rotondo). In der Nacht wütete
ein Gewitter über Tempio, das mir den Schlaf raubte. Auch
die Regengüsse am Tag stellte mich des Öfteren auf
eine Geduldsprobe, die 20km lange Fahrt im Nebel auf den 1359m
hohen Monte Limbara erforderte höchste Konzentration. 50
Spitzkehren, unzählige Serpentinen und Rampen wie man sie
nur von Alpe d’Huez kennt, die ich nur genießen
durfte, weil wegen des schlechten Wetters zahlreiche Touristen
den Ausflug auf einen der attraktivsten Aussichtspunkte Sardiniens
gemieden hatten. Ein kleines Stoßgebet für trockenes
Wetter und sichere Fahrt in der Madonna delle Neve und schon
ging es bergab. |
Die Sonne blitzelte durch die wolkenverhangenen
Wälder, die Straße trocknete ab und zum ersten Mal
erfuhr ich, warum ich nach Sardinien gefahren bin: Kurven und
Kehren ohne Ende, gepaart mit einem fantastischen Ausblick auf
den Lago del Coghinas, keine einzige Begegnung mit einem Fahrzeug
oder Motorrad, die totale Einsamkeit, nur du, die Straße
und dein Motorrad, das ich zum ersten Mal forderte. Die Beschleunigung
der Transalp war doch besser als der optische Eindruck vermittelte
und auch die Bremsen verrichteten einen guten Dienst, doch den
letzten Bremsmeter wollte ich trotz des guten Asphaltgrips dann
doch noch nicht ausspielen.
Eigentlich sollte die Tour über Chiaramonti führen,
doch das am Horizont aufkommende Gewitter zwang mich, die Bergstraße
nach Erula zu nehmen. Die Natur hatte mir unverhofft den richtigen
Weg gewiesen: Ein Kurvenspass erster Güte, im Rückspiegel
der Lago del Coghinas, Fahrerherz was willst du mehr. Ich floh
vor dem anstürmenden Regen nach Tempio in die wirklich
traumhaften Gassen des großen Bergdorfs der Gallura und
nach einer kurzen Rast ging es dann Richtung Olbia in wärmere
Küstenregionen. Doch Vorsicht war geboten, die Straße
war sehr nass, kleine Nadelstiche auf der Gesichtshaut waren
wie eine Tempomat, dann endlich der Golfo Aranci bei Olbia,
es roch nach Rosmarin und Thymian und der Magen begann zu knurren.
Das am Golfo Marinella gelegene Domino Inn Sporting Palumbazza
nahe bei Porto Rotondo gelegene Hotel war eine große Entschädigung
für die herrlichen Strapazen des Tages. Das Zimmer hatte
Terrasse mit freiem Meerblick, das Rauschen des smaragdgrünen
Meeres wirkte wie eine Entspannungsmusik während einer
Massage. Trotz Schauer ein perfekter Ride, der mit großer
Vorfreude auf das Menü des Hotels und auf den nächsten
Tag an der Costa Smeralda endete. |
„Gottes Paradies“ |
Costa Smeralda |
Es sollte eigentlich ein ruhiger Tag werden.
Morgens ein wenig entlang der Costa Smeralda cruisen, ein Sonnenbad
nehmen und nachmittags die Vorzüge und den Luxus des Hotels
genießen. „Pack die Badehose ein“, lautete
das Tagesmotto. Mitnichten, nach einem fantastischen Sonnenaufgang
über der Bucht von Marinella zogen schon bald die ersten
Regenwolken heran. Trotzdem setzte ich in Palau mit der Fähre
auf die Isola Maddalena über. Zuvor hatte ich noch eine
Oldtimer-Ausstellung im Hafen von Porto Cervo besucht. Auch
wenn die Transalp schon ein Klassiker ist, eine Rarität
wie ein Porsche...wird sie nie. |
Isola La Maddalena ist Klein-Sardinien.
Die Menschen sind noch gastfreundlicher, die Buchten noch schöner,
die Straßen, insbesondere die Strada Panoramica perfekt
inszeniert, die Karibik Europas. Die Isola La Maddalena könnte
Gott als Vorbild für die große Schwester gedient
haben, dachte ich. Diese kleine Insel sollte zum Weltkulturerbe
der Unesco ernannt werden. Viele der kleinen, wunderschönen
Strände erreicht man nur über eine Piste. Nach einem
erneuten „Regenbad“, diesmal aber im Meer, gesellten
sich zwei Wildschweine zu mir, die sich an den Essensresten
der Hochsaison erfreuten.
Der Rest ist schnell erklärt. Die Rückfahrt über
Arzachena ist ein Traum: Die Straßen schlingen sich durchs
Gebirge wie eine Schlange im Sand. Keine Geraden, so dass der
Werkverkehr auf stark frequentierten Straßen kaum gefahrenlos
überholt werden kann. Gut behütet im feinen Hotel
nach 7 Stunden im Sattel, wieder ein Ritt der Extraklasse. Der
in Porto Rotondo geplante Besuch der zahlreichen Grillrestaurants
und Bars wurde kurzer Hand wegen zu vieler Belohnungs- und Entspannungsbiere
abgesagt und musste dem tollen 5-Gänge-Menü des Hotels
weichen. |
„Die SS 125: Traumstraße Europas" |
Blick auf die Insel Tavolara |
War die Tour von Porto Rotondo über Olbia,
San Teodoro, Dorgalo, Braunai nach Tortoli/Arbatax schon die
Königsetappe? Um 7 Uhr wurde ich vom Sonnenaufgang geweckt,
es sollte der erste schöne Tag werden. Das Bilderbuchwetter
lud zu einem Photoshooting an einen der herrlichen Traumstrände
der Ostküste ein. Dies hätte fast das Aus bedeutet.
Unter den wütenden Protesten der plötzlich auftauchenden
Carabineris konnte ich nach mehrfachen „Scusi“,
„Scusi“ meine Fahrt fortsetzen. Zwischen Siniscola
und Orosei schießen wir ausnahmsweise mal über lange
Geraden, das letzte Mal für lange Zeit; ich nehme die Beine
hoch und lasse mich von der eindrucksvollen Landschaft betören,
bevor das Fest der Sinne beginnen sollte. |
Nach Dorgali hinter dem Tunnel ging
es auf die Achterbahn der abenteuerlich steilen und kurvigen
Straße nach Cala Gonono. Ein absolutes Highlight und ein
Muss für die Schräglagen-Fraktion. Oft tragen junge
Ducati-Fahrer hier ihre Rennen aus, aber an jenem Tag hatte
ich absolut freie Fahrt. Oben angekommen traf ich nach 800 km
die ersten Motorradfahrer: 3 Karlsruher auf ihren alten BMW-Reiseenduros
.
Ein kurzer Plausch und meine ungeduldige Vorfreude trieb mich
auf die Traumstraße Europas, die SS 125 über das
Gebirgsmassiv des Gennargentu. Ein atemberaubender Turn mit
einem einzigartigen Panorama zwischen tiefen Schluchten, spitzen
Türmen und hohen Felswänden. Nach dem Adrenalin-Kick
sollte man sich unbedingt nach der Passhöhe Genna Cruxi
direkt rechts einen kleinen Abstecher über die alte Passstrasse
nach Talana gönnen, auch wenn wertvolle Zeit nach 250km
verloren geht.
So gewinnt man einen ersten Eindruck von dem Bauernleben des
19. und frühen 20. Jahrhunderts, hier ist die Zeit stehen
geblieben. Die damaligen Dorfclans haben sich oft vor der italienischen
Regierung in dem unzugänglichen Gebirgsmassiv des Gennargentu
versteckt, um ihre Fehden und Blutrachen auszutragen und die
Ehre der Familie zu retten. Noch heute kreuzen Schweine, Ziegen,
Schafe und Kühe die mit Schlaglöchern durchsetzte
Straße. Dieses Hochplateau ist wie eine Mondlandschaft,
immer wieder findet man neue abzweigende Schotterpisten, die
für Enduro-Freaks das Paradies auf Erden sein dürften.
Langsam wird mir dann doch ein wenig mulmig und es geht zurück
auf die Passstraße der Neuzeit, die in eine scheinbar
endlose Tiefe über Baunai nach Tortoli führt. Es bleibt
kaum Zeit, mal einen Blick jenseits der Straße zu riskieren,
die zahlreichen Kurven und Serpentinen fordern höchste
Konzentration und verlangen alles ab, man fährt sich in
den totalen Rausch. Auf Meereshöhenniveau wieder angekommen,
holt einen die mit Dieselabgasen beladene Luft bei Tortoli/Arbatax
zurück in die Realität.
In dem schönen Hotel Vecchio Mulino forderte der anstrengende
und erlebnisreiche Tag seinen ersten Tribut: Einen Sonnenbrand,
den man aber gerne in Kauf nimmt, wenn man nach drei Tagen Regen
den ganzen Tag die Sonne vor sich hat. |
Grenzenloses Kurvenvergnügen. Die „perfekte“
Kurve |
bei Tortoli |
Der fünfte Tag führte mich auf das
Dach der Insel. Bei der Tour de France wären es 3 Pässe
der „Haute Category“. 5 Sterne für den „Perfekt
Ride“, es geht nicht mehr besser, nur anders, aber wer
will an diesem Tag was Anderes. Doch auch ein Tagesritt mit
höchster Erlebnisdichte gibt es nicht umsonst: Bei durchschnittlich
50km/h ist hohes Sitzvermögen auf der 300km langen Rundtour
durch den Gennargentu gefordert. Die Sonne knallte vom Himmel,
doch es wäre trügerisch zu glauben, dass Ende September
auf 1000m und höher eine leichte Bekleidung ausreichen
würde. Bereits die Auffahrt nach Lanusei vermittelt einem
einen Vorgeschmack auf das, was einen erwartet: Serpentinen,
Kurven und Kehren ohne Ende. Aber der Hauptgang sollte nicht
länger warten. |
Die Fahrt nach Seui kann nicht spektakulärer
sein. Es ist wie Achterbahn fahren, nur darf der Gleichgewichtssinn
nicht aussetzen! Ständig fragt man sich, warum und wann
die Schilder die Kurven anzeigen. Die Strecke besteht nur aus
Kurven, sie ist eine einzige große Kurve, wenn man konsequent
wäre, müsste an jeder Kurve ein solches Schild stehen.
Nur selten zeigt der Tacho mehr als 80km/h an und eigentlich
braucht man auch nur den 2. und 3. Gang. Andere Motorradfahrer?
Wieder Fehlanzeige, vielleicht mal ein alter Sarde mit seinem
Fiat Panda, der plötzlich und unverhofft vor einem steht.
Zwischen Sadali und Aritzo ändert sich dann plötzlich
der Charakter der Strecke. In der Karte zwar als niedrigrangige
Straße eingestuft, erweist sie sich als breite Panoramastraße,
die sich hervorragend zum schnellen Cruisen und auch zum kurzen
Durchatmen eignet. Übrigens nach den Straßenkategorien
sollte man hier nicht gehen, die sind so schnell überholt,
wie jener alte Sarde in den Pandas. Kurz vor Gadoni überquert
man eine große Brücke über den Fiume Flumendosa,
der den ganzen Gennargentu durchzieht. In Aritzo sollte man
pausieren. Peccorino, Salami Sardi, Panino schmecken auch ohne
Wein, ein Cafe in der Dorfbar hinterher - von gastfreundlichen
Bewohner spendiert – und schon geht es weiter in das Labyrinth
des Gennargentu.
Man sollte auf jeden Fall die Strecke über Desulo wählen,
die Straße ist frisch geteert und vereint Kurvenspaß,
Fahrkultur und Panorama in Perfektion. Einen Abstecher auf den
Brunco Spino (1829m), zweithöchster Berg Sardiniens und
höchstes Skigebiet Sardiniens lohnt auf jeden Fall. Die
„Abfahrt“ war sehr gefährlich, es fand wohl
ein Oldtimer-Ralley statt und die Idioten schnitten die Kurven,
dass mir manchmal nur wenige Zentimeter der Straße blieben.
In Fonni machten sich dann erste Erschöpfungszustände
einer Erkältung bemerkbar, so dass ich statt der alten
SS 398 die neue Schnellstraße Richtung Lanusei wählte,
160km/h brachten mich schnell zur Abzweigung nach Villagrande.
Zwischen Villagrande und Tortoli ist gerade eine neue Straße
fertig gestellt worden, in der Karte noch als „Weg“
ausgewiesen, jetzt eine breite, kurvenreiche und steil abfallende
Panoramastraße. Der Leiter des Tiefbauamtes scheint wohl
selber begeisterter Biker zu sein. Ein einmaliger Tag neigt
sich dem Ende zu, es war die „perfekte Kurve“, ich
kenne keine vergleichbare Straße in den Alpen, die sich
derart in das Gebirge des Gennargentu schneidet und fräßt
wie die SS198 und SS295 sowie die letzte Etappe von Villagrande
und Tortoli als großes Finale einer Tour der Superlativen,
die Möglichkeiten sind unbegrenzt. So viel perfekte Tage
erlebt man selten, und bei dieser Vollkommenheit kann man schon
mal Angst bekommen, aber die Gewissheit, dass der nächste
Tag zwar auch perfekt, aber anders und wieder neue Überraschungen
bringen wird, lässt die „Unerträglichkeit des
Glücklich-Seins“ schnell vergessen. |
„Straße der Einsamkeit" |
Strecke über Villasalto |
6 und 7. Tag: Nach einem Transfer- und Ruhetag
in Muravera und einem Besuch bei Heinz im Biker Beach Club bei
den Torre Salinas ging es über Villasimius (bei unerträglicher
Hitze), Cagliari, Dolianova, Villasalto, Escalaplano nach Orroli.
Von Muravera kommend nicht den direkten und schnellen Weg nach
Villasimius wählen, sondern der Wegweisung zur Küstenstraße
der Costa Rei, ein 17 km langer Strand, folgen. Die Vielzahl
kleiner Buchten und Strände im Süden Sardiniens gehören
zu den Highlights von Sardinien und laden zu einer Abkühlung
ein. Natürlich sind die 34 km von Villasimius nach Quartu
S’Elena bei Cagliari ein „Muss“ für den
Sammler von Küstenstraßen, aber schon nach kurzer
Zeit sehnt man sich wieder nach den leeren Straßen in
den einsamen Bergen. |
Wer nach schweiß treibende
Fahrt hinter Feinstaub blasenden Reisebussen noch fest im Sattel
sitzt, darf sich ab Diolianova wieder zu den neumodernen Asphalt-Cowboys
zählen. Jetzt wird es richtig spannend, es geht steil bergauf,
die Transalp muss richtig tief Luft holen, und die Gummis graben
sich klebend in die kurvige Bergstraße. Im Rückspiegel
nehme ich vorerst Abschied vom Meer.
Wer bei guter Kondition ist, sollte die alte Strecke über
Villasalto wählen, danach schlägt die Straße
wirklich Salti. Es folgt das einsamste Stück Sardiniens,
100 km keine Bar, keine Tankstelle, keine Pizzeria, kein Supermarkt,
es schein als ob die Bergbevölkerung an die Küste
von Cagliari abgewandert ist, jetzt bloß kein Panne oder
einen Hungerast auf der schlecht asphaltierten Straße.
Doch ich komme sicher in Orroli mit dem letzten Tropfen Sprit
an.
Bis ich die Unterkunft, das Omio Axiu, gefunden habe, dauert
es ein Weilchen. Ein älterer Herr sprach mich an, bot mir
seine Hilfe an und wies mir den Weg. Ich erfuhr hier eine Gastfreundschaft
und eine Einladung zum Abendessen, die mir in ewiger Erinnerung
bleiben wird. Danke Consuela! |
„Nuraghen-Straße" |
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8.Tag: Der nächste Teilabschnitt führte
von Orroli über Laconi in das Bergdorf Santa Lussurgiu,
Eigentlich müsste man auf dieser 150km langen kulturell
und fahrerisch anspruchsvollen Genusstour die eine oder andere
Nuraghen-Grabstätte besichtigen, eigentlich..., aber schnell
findet man den Kurvenrhythmus, das Adrenalin rauscht langsam
durch die Adern, jeder noch so kurze Moment wird zur Ewigkeit,
die Zeit bleibt stehen und wer möchte diese ewigen Rausch
schon unterbrechen. Zuerst überquert man eine große
leicht hügelige Hochebene mit lang gestreckten Kurven,
ideal zum entspannten Cruisen, doch schon bald wird die Topographie
sehr abwechslungsreicher und das Gelände kopierter. |
Immer wieder 2 bis 3fache Kurven,
die sehr gut einsehbar sind und an einsamen Bergflanken entlang
führen. Zudem weit und breit kein Motorradfahrer, außer
die eine oder andere Polizeikontrolle, an denen ich aber mit
einem breiten Grinsen vorbeifahren durfte und die lediglich
die noch eben überholten Autofahrer anhalten. Und am Ende
warten noch zahlreiche kleine Talsperren, die zu umfahren oder
über historische Brücke zu überqueren sind. Der
Weg ist das Ziel, dachte ich und wieder wurde ich eines Besseren
belehrt.
Das Bergdorf Santa Lussurgiu übertraf mein kühnsten
Erwartungen, hier ist die Zeit wirklich stehen geblieben, das
Leben in dem von antiken Eindrücken geprägten Dorf
ist sehr authentisch, sardische Gastfreundschaft, Kultur, Gastronomie
vereinen sich an nur einem Ort und im Zentrum liegt die Unterkunft
Albergo Diffuso – Antica Dimora del Gruccione, ein kleines
Paradies auf Erden, dessen Geheimnis wohl in der Mischung kulinarischer,
sinnlicher und aromatischer Erlebnisse liegen dürfte.
Die Besitzerin Gabriella, führt an diesem geheimnisvollen
Ort Seminare zum nachhaltigen Öko-Tourismus durch, und
verwöhnt jeden Gast im Gewölbekeller des kleinen Schlosses
mit einem fürstlich anmutenden sardischen Festessen. An
jenem Abend war ich der einzige Fürst und ich war von Peinlichkeit
berührt, als zwei Köche mir in einem 5 Gänge
Menü landestypischen Spezialitäten servierten. Und
am hauseigenen Wein wird auch nicht gespart, der an jenem Abend
durch meine Adern floss wie am Tag noch das Adrenalin.
Auch wenn ich oder gerade weil ich vorher nicht wusste, in welchem
zauberhaften Ort ich übernachten werden, für mich
stand nachher fest, dass die nächsten Besuche nach Santa
Lussurgiu und der Albergo Diffusso - Antica Dimora del Gruccione
führen werden. Übrigens, wer sich fragt, was ein „Gruccione“
ist, der sollte sich an einem Nachmittag in der Dorfmitte am
Hauptplatz vor die kleine und einzige Bar setzen und ein Bionda
Sardegna, 66cl für nur 1,80.- Euro bestellen und die Ohren
ganz weit auf reißen...
Selbst in den einsamsten Bergdörfern wird man immer die
typisch sardische Geselligkeit finden, und wenn es nur der alte
Gemüsehändler ist, der mal vor 40 Jahren in Düsseldorf
gearbeitet hat und nun versucht, seine letzten Brocken Deutsch
anzubringen oder die zahlreichen vor den Tavernen sitzenden
Pensionäre, die einen Willkommen heißen oder die
durchreisenden Biker grüßen. |
„Finale Furioso" |
Santulussurgiu |
9. Tag: Auf den letzten 150 km von Santa Lussurgio
über Bosa nach Alghero erlebte ich das Finale Furioso.
Die letzte Etappe meiner Rundreise wird mir in ewiger Erinnerung
bleiben. Sowohl die Abfahrt nach Cuglieri als auch die Panoramastraße
von Bosa nach Alghero ist hinsichtlich Kurvenspaß und
Landschaftserlebnis – vielen Reiseberichten zum Trotz
– das Beste, was die Insel zu bieten hat. Ein perfekte
Symbiose aller Elemente Sardiniens auf einer Tour: 4 Jahreszeiten
an einem Tag zu erleben, der Kontrast zwischen den einsamen
Bergen und der besiedelte Küsten, im Rückspiegel die
unvergesslichen Erinnerungen der letzten Tage zurückzulassen
und gleichzeitig den Blick nach vorne auf das offene, scheinbar
unendliche Meer zu richten, den Duft von Rosmarin und Thymian
noch in der Nase und den salzige Geschmack des Meers bereits
auf der Zunge. Die Vielfalt und Vielzahl der Eindrücke
machen Sardinien aus. |
Ein kurzer Aufenthalt in Bosa ist
Pflicht. Eine Stadt wie aus dem Bilderbuch, bunt, mit kleinen
Gassen und herrschaftlichen Häuser. Ich cruise über
die mit Palmen bepflanzte Uferpromenade des Temo, gerne würde
ich noch la Dolce Vita in den Altstadt von Bosa mitnehmen, doch
es wird Zeit für das letzte und schönste 50km lange
Teilstück, der Panoramastraße von Bosa nach Alghero.
Der Charakter der hoch über den Steilküsten gut ausgebauten,
sehr kurvigen und kaum befahrenen Straße ist vollkommen.
Auf dieser Straße sollte man langsam mit den Erlebnissen
abschließen, bevor man in die lebendige Stadt Alghero
eintrifft, ansonsten erschließt sich die Schönheit
von Alghero nicht. Es ist der krasse Gegensatz zu den Vortagen.
Viel Verkehr, voll Strände, teure Unterkünfte und
Restaurants, am Ende der Saison vorgetäuschte Gastfreundschaft.
Es fällt schwer loszulassen, ein kurzer Bummel durch die
Altstadt und beim Bier den Sonnenuntergang am Meer genießen
oder doch noch ein 50 km langer letzter Abstecher zum Capo Caccia
– ich habe mich für letzteres entschieden: Den Ausblick
genießen, die vielen netten Menschen Sardiniens ins Herz
schließen und den Schlüssel weit weg ins scheinbar
unendliche Meer werfen.
Fast wehmütig verbringe ich die letzte, sehr anonyme Nacht
in einem der zahlreichen Bed & Breakfast Unterkünfte
in der Nähe des Flughafens, am Morgen treffe ich Detlef
und übergebe ihm die Transalp, er wirkt teilnahmslos, ja
desinteressiert, professionell und hektisch, der nächste
Kunde wartet..., erschöpft und doch sehr glücklich
steige ich in den Flieger und überquere die Nordküste,
in meinen Gedanken plane ich schon die nächste Tour, das
Ziel die Ostküste südlich von Oristano mit dem eigenen
Bike.
Ich habe mich entschieden - für die Natur, die Berge und
ihre schönen Dörfer und die einsamen Küstentrassen.
Sardinien Auf Wiedersehen, bis nächstes Jahr!
Riders Paradise - You are Welcome! |
Bosa |
Alghero |
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